... begonnen hat der Tag damit, daß ich die Zeitumstellung verschlafen habe. Also daß ich die Uhr nicht zurückgedreht hab und folglich erst bei Kaffe und Radiobeschallung mein Problem erkannte. Naja, kann mal passieren, fällt unter die Kategorie "Auch ich werd alt". Hatte halt mehr Zeit meine Klamotten anzuziehen. Nicht gerade die ausfüllendste Tätigkeit...
Pünktlich um halb neun steht das Limousinenservice Matthias vor der Tür, Transfer zur Sportstätte. Ankunft bei der Laufstrecke knapp vor neun. Ein wenig sehr kalt fühlt sich die Luft an. Die ersten Freaks überlegen sich, ob sie mit kurzen Sachen laufen sollen (und die meisten von ihnen haben es offenbar getan).
Wir quatschen uns locker ein und testen die Luft mit einem Spaziergang. Kälter sollte es nicht sein. Was wird im Winter sein? Astrid kündigt ihre Ankunft an - hurra, die Teambetreuung läuft sogar mit. Zu dritt quatscht es sich gleich besser.
Nach dem gemütlichen Einlaufen (Matthias hatte schon verdammt hohen Puls, obwohl er bisher immer 20 Schläge unter mir war) bleibt grad noch Zeit für ein wenig sich umsehen: Wo sind die Protestplakate aufgehängt (Dopingfall Pumper, siehe Tagesberichterstattung)? Wir sehen keine. Vielleicht irgendwo an anderen Stellen der Strecke. Zeit zum Aufstellen für den Start.
Noch immer locker plaudernd kommt der Startschuß und wir düsen los. 21 Kilometer liegen vor mir, und ich hab keine Ahnung was passieren wird.
Ein schnelles Tempo weg vom Start. Durchwegs 5min/km zeigt der Schrittzähler. Mir ist klar, daß ich das bis ans Ende nicht durchhalten werde. Aber vielleicht wenigstens ein paar Kilometer. Astrid rügt uns mehrfach, da ich mich mit Matthias noch blendend unterhalten kann. Der Puls liegt zwischen 160 und 165.
Einbiegen nach den ersten 3km zurück in die Prater Hauptalle. Mir gehts gut, Puls ein wenig gestiegen. Geschwindigkeit schon ein wenig gefallen, aber noch super. Bei der ersten labestation versuche ich unter heftigem Keuchen zu trinken. gelingt halbwegs, wenn ich auch das Isostar in die Nase bekomme.
Die Hauptalle ist schnurgerade und unendlich lang. Dabei sind es hier nur 2km in jede Richtung, also insgesamt 4km einer 7km-Runde zu laufen. Egal, die erste Wende nehmen wir noch sehr brauchbar. Mir ist aber klar, daß ich das Ziel von unter 2 Stunden zu bleiben nicht erreichen werde. Das bestätigt sich auch beim Durchlauf durch die erste Zwischenzeit: knapp 40 Minuten. noch 2 Runden in dem Tempo wären genau 2 Stunden, es wird also etwas mehr werden. Aber das ist mir jetzt schon egal, Hauptsache mal durchkommen.
Kilometer 9 und es beginnt sich eine ungute Ermüdung einzustellen. Die Aussicht auf Getränk und Power-Gel macht mich hoffend, wenn auch nur sehr zaghaft. nach einer unglaublich langen 3km-Passage wieder ein Einkehrtag beim Bechertisch und Gel dazu. Schmeckt abscheulich, sollte aber helfen. Zum zweiten Mal gehts die Hauptalle runter und mir wird klar, daß ich mental mich ordentlich konzentrieren muß. Die Zwit pendelt zwischen 5.30 und 5.45 min/km. Ich werde geplant aber trotzdem kontinuierlich langsamer.
10 MInuten später: Wo ist die Gel-Wirkung? offenbar hab ich die 200kcal in Sekundenschnelle verbrannt. Gibts doch gar nicht! Das wars dann endgültig mit der Wunschzeit. Ich beginne, auf 6min/km hinzuhalten. Deutliche Einsilbigkeit und wehemente Ablenkungsversuche von der Schlappheit setzen ein.
Das Ziel in Sicht. Aber es kommt und kommt nicht näher. Unglaublich langsam schnecke ich dahin. Zumindest wirkt es so. Offenbar komm ich doch voran, sonst wäre es wohl nicht möglich, daß ich das Ziel passiere. Bei wiederum ziemlich genau 1h20min laufe ich über die Ziellinie - gerade verkündet der Ansager den Sieger des Halbmarathons in 1h07min... Wahnsinn was andre hier laufen können.
Kilometer 15 vegeht ereignislos, kurz danach bleibt Matthias abrupt stehen: Kreislauf. Ich laufe weiter, Astrid pendelt kurz zwischen uns beiden. Offenbar haben ihm die letzten Wochen doch mehr zugesetzt. Er sollt emich bis zum Ziel nicht mehr einholen...
Ich habe von ihm noch ein Gel bekommen, welches bei km 17,5 genommen wird. Endlich ein wenig Wirkung, ich kann kurzfristig für ca 1,5km wieder auf 5.30 min/km aufdrehn. Danach aber wirds echt sehr sehr hart. Das Ziel schon ewig vor Augen, ziehen sich die letzten 2km unerbittlich. Astrid redet auf mich ein, motiviert mich oder erzählt nichtssagendes, ich krieg nur mehr die Hälfte mit. Zucker wo bist Du? trotzdem gehts noch irgendwie.
Das Ziel in Sicht, lasse ich mich 200m vorher nochmal zu ein paar größeren Schritten hinreißen. Die Atmung hechelt nur mehr dahin und trotzdem schaffe ich es. Ich bin nach 2h 2min 33sec im Ziel. 21km in den Beinen, fertig, unglaublich fertig. Aber einfach nur happy
- Platzierung: 325 von 402 (davon 16 die nicht ins Ziel kamen). In der Altersklasse: 96/109 (4 nicht im Ziel).
Matthias hat einigen Abstand nehmen müssen, kommt aber mit 2h 5min auch durchs Ziel. Wahrscheinlich hat er noch viel mehr durchbeißen müssen als ich.
Der Rest ist Schnitten essen, blöde Witze machen und im Auto endlich sitzen dürfen. Danach ein wenig wie tot schlafen, essen, duschen. Die Welt ist seit heute eine andere.
[EDIT] Links: Astrid´s Blog